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Wie viel verdient man als Schauspieler: Kann man davon eigentlich gut leben?

Es ist die Frage, die Tante Erna beim Familienfest nach dem dritten Glas Wein immer stellt: „Und Kind, kann man davon denn leben?“ Du lächelst gequält und nickst. Aber innerlich fragst du dich das vielleicht selbst.

Reden wir Klartext. Über Geld spricht man in Deutschland ungern, in der Kunstbranche noch weniger. Damit ist jetzt Schluss. Wenn du diesen Beruf ergreifen willst, musst du aufhören, ihn nur als romantische Berufung zu sehen. Du wirst Unternehmer in eigener Sache. Und ein Unternehmer muss seine Zahlen kennen.

Wie viel du verdienst, hängt extrem davon ab, in welchem „Sektor“ der Branche du arbeitest: Festanstellung am Theater, freies Fernsehen, Werbung oder Sprecherjobs. Hier ist der Blick in dein zukünftiges Portemonnaie.

Der Film und das Fernsehen: Die Sache mit der Tagesgage

Im Filmbereich wirst du meistens pro Drehtag bezahlt. Das klingt erst einmal verlockend. Für Einsteiger liegt die tarifliche Mindestgage aktuell bei rund 850 Euro bis 1.050 Euro pro Tag. „Wow“, denkst du jetzt, „da arbeite ich drei Tage und habe meine Miete drin!“

Langsam, Cowboy. Erstens: Von dieser Brutto-Gage gehen Steuern und Abgaben ab. Zweitens: Du drehst als Anfänger nicht 20 Tage im Monat. Vielleicht drehst du im ersten Jahr nur 5 Tage insgesamt. Vielleicht auch 15. Das Einkommen ist unregelmäßig. Etablierte Serienstars verdienen natürlich deutlich mehr (3.000 Euro und aufwärts pro Tag sind keine Seltenheit), aber bis dahin ist es ein Weg.

Hier ist der Standortvorteil entscheidend. Wer beispielsweise seine Ausbildung an der Schauspielschule Zerboni Köln macht, sitzt direkt an der Quelle vieler TV-Produktionen und Daily Soaps. Dort gibt es oft durchgehende Rollen, die nicht pro Tag, sondern pauschal pro Folge oder Monat bezahlt werden. Das bringt Planungssicherheit.

Das Theater: Sicherheit vs. Reichtum

Am Stadttheater gibt es den Tarifvertrag „NV Bühne“. Das ist das Sicherheitsnetz der Branche. Wenn du festes Ensemblemitglied bist, bekommst du ein monatliches Gehalt, egal ob du in zwei oder zwanzig Vorstellungen auf der Bühne stehst. Die Mindestgage (Einstiegsgage) liegt an staatlichen Theatern aktuell bei rund 2.700 bis 2.900 Euro brutto im Monat (die Tarife werden regelmäßig angepasst).

Reich wirst du damit am Anfang nicht, aber du bist sozialversichert, bekommst Urlaubsgeld und hast ein festes Einkommen. Freie Theater zahlen oft weniger oder auf Honorarbasis pro Vorstellung. Städte mit einer extrem hohen Theaterdichte bieten hier mehr Möglichkeiten für Gastverträge. Ein Blick Richtung Norden lohnt sich: Absolventen, die an der Schauspielausbildung in Hamburg teilgenommen haben, profitieren oft von der riesigen Musical- und Theaterszene der Hansestadt, wo Gagen teils auch über dem Standard liegen können.

Wer verhandelt das eigentlich? (Spoiler: Nicht du!)

Ganz wichtig: Sprich am Set oder beim Casting niemals über Geld. Das wirkt unprofessionell. Dafür hast du deine Agentur. Sie sind die Bluthunde, die für dich das Maximum rausholen. Sie kennen den Marktwert, sie wissen, was die Produktion an Budget hat, und sie verhandeln die Buyouts.

Die Agentur bekommt dafür eine Provision (üblich sind 10 bis 20 Prozent deiner Gage). Das tut manchmal weh, wenn man die Rechnung sieht, aber glaub mir: Eine gute Agentur holt meistens so viel mehr für dich raus, dass sie ihr Geld doppelt wert ist. Genau deshalb ist die enge Anbindung unserer Schüler an die Agentur Fabelhaft ein massiver strategischer Vorteil. Wir schicken dich nicht unvorbereitet in den Gagen-Dschungel. Wenn die Agentur dich vertritt, sorgt sie dafür, dass du nicht unter Wert verkauft wirst.

Brutto ist nicht Netto – Das Unternehmer-Mindset

Eines darfst du nie vergessen: Wenn du 1.000 Euro bekommst, gehören die nicht dir. Du musst davon Steuern zahlen. Du musst dich krankenversichern (zum Glück gibt es für Künstler die KSK – Künstlersozialkasse –, die wie ein Arbeitgeber die Hälfte der Beiträge übernimmt. Ein Segen!). Du musst Rücklagen bilden für Zeiten, in denen das Telefon nicht klingelt.

Als Schauspieler bist du CEO deiner eigenen kleinen Ich-AG. Du musst lernen, mit Geld umzugehen. In fetten Monaten (Werbedeal gelandet!) nicht alles für Champagner und neue Sneaker rauswerfen, sondern bunkern für die mageren Monate.

Fazit: Es ist möglich!

Kann man davon leben? Ja. Tausende Schauspieler in Deutschland tun es. Manche fahren Porsche, manche fahren Fahrrad. Die Spanne ist riesig. Aber lass dir nicht einreden, es sei unmöglich.

Es erfordert am Anfang Verzicht und Mut. Du wirst vielleicht kellnern müssen, um die Zeit zwischen zwei Jobs zu überbrücken. Das ist keine Schande, das ist Teil des Weges. Aber sobald du dir einen Namen gemacht hast, dein Netzwerk steht und du professionell arbeitest, ist es ein Beruf, der dich ernähren kann – und der dich reicher an Erlebnissen macht als jeder Bürojob der Welt.